Das Haus mit den sieben Giebeln

An der Marie-Kubátová-Uferpromenade, ehemals in der Elbestraße (Labská ulice), etwas abseits des Trubels der Hauptstraße von Hohenelbe, steht das Haus mit den sieben Giebeln. Zusammen mit dem Schloss, dem alten Rathaus und den drei Giebelhäusern am Friedens-Platz (náměstí Míru) zählt es zu den ältesten Gebäuden in Hohenelbe. Heute befindet sich in dem Haus das "Kaffeehaus 7 Giebel" (kavárna "7 štítů") sowie ein kleines Museum im Dachgeschoß des Hauses.
Über das Alter dieses bemerkenswerten Hauses gibt es unterschiedliche Angaben. Der Nationale Denkmalkatalog (Národní památkový katalog) beschreibt das Haus als "einstöckiges Blockhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit einer Hofgalerie und einer massiven Satteldach-Wohn-Dachgaube im hinteren Bereich des Daches. Ein auf ungewöhnliche Weise erweitertes traditionelles Landhaus." Zahlreiche Internetquellen sowie eine hölzerne Informationstafel am Haus weisen darauf hin, dass das Haus in der Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet worden sei. In diesem Fall würde das Haus jedoch noch aus der Zeit von Christoph von Gendorf stammen und wäre ebenso alt wie das Schloss in Hohenelbe, das in den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts erbaut wurde.
Das Haus ist auch für sein bemaltes Dachzimmer bekannt, dessen Wände und Decke farbenfroh verziert sind. Der anonyme Urheber der Malerei soll angeblich versucht haben, sich mit seinem Werk den Schlossgemächern des Schlosses in Hohenelbe anzunähern. Wie wir jedoch aus der Dokumentation des Tschechischen Fernsehens "Geschichten der Häuser – Das Haus mit sieben Giebeln" ("Příběhy domů – Dům U sedmi lomenic") erfahren können, ist der Zweck der genannten Malerei bislang nicht bekannt [1].
Die Bestimmung des Entstehungszeitpunkts und der ursprünglichen Gestalt historischer Häuser ist kompliziert, da Gebäude in der Vergangenheit hin und wieder verschiedenen baulichen Veränderungen unterzogen worden sind. Bei der Altersbestimmung der Häuser werden Methoden, die vor allem auf der Altersbestimmung des verwendeten Holzes basieren, mit Informationen aus alten Karten und Archivquellen kombiniert. In der folgenden Übersicht werden die Ergebnisse einer Recherche in den Archivquellen von Hohenelbe vorgestellt, die durchgeführt wurde, um genauere Informationen über das Haus zu erhalten und möglicherweise den Zweck der Malereien im Dachzimmer aufzudecken. Wir gehen chronologisch vor, d. h. von den neuesten zu den ältesten Erkenntnissen.
Das Haus hatte im Lauf der Zeit drei verschiedene Hausnummern: seit 1906 bis heute die Hausnummer 159, im Zeitraum 1805–1905 die Hausnummer 129 und in den Jahren 1770–1805 die Hausnummer 314. Die Hausnummer 314 erscheint auf der Karte von Cajetan Möller und Anton Schmiedt aus dem Jahr 1780.
Höchstwahrscheinlich seit 1869 befand sich das Haus im Besitz der Familie Schreier aus Niederhohenelbe. Zunächst wohnte dort der Drechsler Friedrich Schreier, danach sein Sohn Josef, der Schuhmacher war. Laut der Volkszählung von 1921 verfügte das Haus über vier separate Wohneinheiten (d. h. Zimmer) und wurde von sechs Personen bewohnt.
Vor der Familie Schreier gehörte das Haus der Familie Zirm. Tobias Zirm erwarb es im Jahr 1791 vom Schneidermeister Carl Kotzaurek. Zirm wird in den Unterlagen als Webermeister, Schleierweber sowie als Fabrikant bezeichnet. Im Jahr 1819 verkaufte Tobias Zirm sein Bürgerhaus mit Garten an seinen Sohn Ferdinand. Laut der Einwohnerliste von 1820, dem sogenannten "Mannschaftsbuch", wohnten in dem Haus zwei Familien mit insgesamt neun Personen.
Der erwähnte Schneider Carl Kotzaurek erwarb das Haus im Jahr 1784, und zwar zusammen mit einem angebauten Wohnraum, einem Holzschuppen und einem Stück Garten. Verkäufer war Anton Stiller, ein Papiermachergeselle.
Anton Stiller besaß das Haus 47 Jahre lang. Er hatte es bereits im Jahr 1737 vom Fleischer Hanße Steffen gekauft, dem das Haus seinerseits nur ein Jahr lang gehört hatte. Zu den früheren Eigentümern des Hauses gehörten Maxmilián Mahrle (ab 1732) und Johann Georg Tschetsch, der das vor kurzem neu erbaute Bürgerhaus zusammen mit einem kleinen Garten und einem Fischhalter im Jahr 1731 vom ersten bekannten Eigentümer, Hanß Georg Raubach, erwarb.
Das sind alle gesicherten Informationen zu den Eigentumsverhältnissen, die den Quellen entnommen werden konnten. Demnach wurde das Haus offenbar im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts von Hanß Georg Raubach neu erbaut. Zu den Malereien im Dachzimmer geben sie leider keinerlei Auskünfte. Allerdings ist folgende Hypothese über den Ursprung der Malereien möglich, die gleichzeitig einen weit älteren Ursprung des Hauses wahrscheinlich erscheinen läßt.
Hanß Georg Raubach wird in der ersten Transaktion bezüglich des Hauses als "Rath-Aeltißter" bezeichnet. Leider liegen uns keine weiteren Hinweise zu seiner Person vor. Interessant ist jedoch, dass ein gewisser Hanß Georg Raubach, in diesem Fall ein Mitglied des Stadtrats ("Raths-Verwandter" [2]), im Jahr 1719 von der Stadt die Baderei erwarb, und zwar unter der Bedingung, dass er das Haus neu umbauen und es fortan nur noch als gewöhnliches Bürgerhaus nutzen würde. Kern der hier vorgestellten Hypothese ist die Überlegung, dass es sich um das "Haus mit den sieben Giebeln" handelte und dass der bemalte Raum aus der Zeit stammt, als in dem Haus Badedienste betrieben wurden [3].
Diese Annahme wird durch die Tatsache gestützt, dass die Lage des Hauses in den ältesten Kaufverträgen als "obig den Baaderstegen, unter Christoph Körner" angegeben ist, sowie durch den Umstand, dass es sich offenbar nicht um ein großes Badehaus mit mehreren Zimmern gehandelt hat, sondern nur um einen einzigen Raum. Denn die Bäder von Hohenelbe werden in älteren Transaktionen als (jeweils einräumige) "Badtstübe" beschrieben. Gegen diese Annahme spricht allerdings, dass die Lage der Baderei, die Hanß Georg Raubach im Jahr 1719 erwarb, als "bei der mittel Mühle" angegeben wird, wobei ältere Transaktionen auch einen Hammer erwähnen. Die mittlere Mühle und der Hammer befanden sich zwar im Bereich unterhalb der Kirche, jedoch relativ weit entfernt vom Haus mit den sieben Giebeln [4].
Sollte es gelingen, diese Hypothese zu beweisen, könnten wir das Alter des Hauses deutlich weiter in die Vergangenheit zurückdatieren. Denn im Jahr 1635 kaufte David Knöffel die genannte Baderei bereits als "altte Badestube" von der Stadt. Die erste Erwähnung der Baderei in Hohenelbe stammt aus dem Jahr 1540, als Meister Christoph von Trautenau beim Rat die Genehmigung zum Bau einer Badeanstalt beantragte.
Michal Šulc mit Hilfe von Elmo Häufle und Jürgen Stapf
[1] Zahlreiche Fotos vom Innen- und Außenbereich des Hauses finden sich unter www.mapy.com.
[2] Der Begriff "Rathsverwandter" bezeichnete ein Mitglied des erweiterten Kreises des Stadtrats, also nicht direkt einen Stadtrat. Zum erweiterten Kreis des Stadtrats gehörten auch Handwerker.
[3] Die Badhäuser boten nicht nur Bäder an, sondern auch Barbier-, Friseur- und ausgewählte medizinische Dienstleistungen.
[4] Weitere Informationen finden Sie in einem älteren Artikel über Hohenelbe auf dieser Website.

